Wie ein Podcast meine Fantasie zerstörte

Podcasts gehören zu den Dingen, die ich (fälschlicherweise) jahrelang ignoriert habe. Irgendwie gelang mir nie der Zugang zu diesem Medium. Das Angebot an deutsch- und englischsprachigen Podcasts ist einfach immens, es gibt zahlreiche Genre, Gesprächsthemen und auch hinsichtlich der Rhetorik unfassbar viele Unterschiede. Ich hatte ehrlich gesagt einfach keine Lust, mich durch diesen Dschungel zu schlagen.

Mittlerweile gehe ich aber auf Tuchfühlung. Da B. nicht nur ein großer Podcast-Fan ist, sondern auch mich, meine Interessen und Vorlieben in Sachen Talkformate ganz gut kennt, habe ich mich von ihm erfolgreich beraten lassen. Ich mag es beispielsweise sehr gerne, wenn sich 2+ Personen ganz zwanglos miteinander unterhalten. Deswegen bin ich auch ein großer Fan von den Rocket Beans und vor allem Almost Daily.

Diesem Prinzip kommt auch Hotel Matze nach, der dazu auch noch sehr interessante Gäste aufweisen kann. Heute lauschte ich einer alten Folge (April 2017) mit Shahak Shapira. Shahak gehört zu den Personen im öffentlichen Leben, die sich nicht mit einem Wort oder einer Berufsbezeichnung beschreiben lassen. Er ist aber vor allem mit 3 Sachen sehr bekannt geworden: sein Buch Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!*, seinen AFD-Adventskalender und den Yolocaust.

Vor einem Jahr hatte ich mir das Buch als Urlaubslektüre zugelegt. Es ist witzig, ernst und auch traurig. Rundum emotional, aber mit der perfekten Portion Humor. Damals kannte ich Shahak Shapira nur aus dem Internet (#neuland) und vor allem durch Twitter. Ähnlich wie man sich bei Call Center Agents ein Gesicht zur Stimme ausdenkt, habe ich mir eine Stimme zum geschriebenen Wort und zu den Fotos ausgedacht. In meiner ganz eigenen Vorstellung hatte die Stimme Shapiras etwas distanziertes und war rau, aber irgendwie auch von einer gewissen Coolness geprägt. Wie man sich halt einen coolen Großstadt-Motherfucker vorstellt.

Doch ein Jahr später – also heute – hörte ich den besagten Podcast. Und was soll ich sagen? Ich war ein wenig enttäuscht. Monatelang assoziierte ich eine Stimme zu dieser Person und plötzlich höre ich die tatsächliche Stimme und sie ist einfach das absolute Gegenteil von dem, was ich mir vorgestellt habe.

Anschließend schossen mir einige Gedanken durch den Kopf: Warum bin ich eigentlich enttäuscht? Ist Enttäuschung überhaupt der richtige Begriff für dieses Gefühl? Und ist die Stimme ein oberflächliches Merkmal? Bin ich also oberflächlich, wenn ich die Stimme einer mir eigentlich fremden Person als komisch empfinde?

Je länger ich dem Gespräch zwischen Shahak Shapira und Matze Hielscher lauschte, je mehr hatte ich mich an die ungewohnte Stimme gewöhnt und nach 75 Minuten fand ich sogar das leichte Lispeln ganz süß und charmant.

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