Auf der Autobahn

Kennt ihr die deutsche Telenovela Rote Rosen? Nein? Macht nichts, ich im Grunde auch nicht. Die Serie wird in einer kleinen Stadt im Norden namens Lüneburg gedreht. Jährlich reisen viele Touristen (hauptsächlich gelangweilte Muttis und Rentner) dorthin, um am Drehort vermeintlich bekannte Schauspieler zu treffen.
Auch ich bin mindestens einmal jährlich in Lüneburg, weniger wegen Rote Rosen, sondern vielmehr wegen B.

Die Reise in den Norden bedeutet für mich immer folgendes: lange im Auto sitzen. Nach spätestens 3 Stunden spüre ich meinen Allerwertesten nicht mehr und akute Langeweile setzt ein. Zum Glück bin ich bei diesen Fahrten nur die gesellige Beifahrerin, die sich um die passende Musik und das Anreichen der Getränke kümmert.
Da ich aber auch ungern im Auto schlafe, bleibe ich aufmerksam und nutze die Zeit zum Nachdenken und vor allem zum Beobachten.

Autobahn haben für mich ihren ganz eigenen Charme. Die Autobahn steht für einen langen Weg, ein gewisse Distanz, die sehr viele Menschen versuchen zu überwinden. Zur gleichen Uhrzeit, in die gleiche Richtung, im selben Tempo. All diese Menschen sind sich im Grunde so nah und doch so fern und fremd.

Strichmännchen und andere Eigenarten

Obwohl ich die Insassen der anderen Autos nur wenige Augenblicke sehen kann und niemals mit ihnen ein Wort wechseln werde, erlangt man oftmals tiefe Einblicke in die Seele dieser Menschen. Wie? – Autoaufkleber! So weiß ich wie die Kinder heißen, ob die Familie einen Hund besitzt oder in welche politische oder moralische Sparte sich diverse Autofahrer selbst einordnen.

Was mir während der gesamten Fahrt von geschmeidigen 6 Stunden auffällt: die unzähligen „witzigen“ Aufkleber spiegeln sehr häufig eine gewisse Aggressivität wider.
Und wie so häufig frage ich mich, wieso diese Personen überhaupt das Bedürfnis verspüren, ihre persönliche Haltung nach außen zu transportieren? Warum ist es für sie scheinbar so wichtig, ob ein vorbeifahrendes Auto aus Schießmichtot weiß, dass man drölf Enkel oder vielleicht auch einfach eine fragwürdige Gesinnung hat? Von den komischen Strichmännchen mal ganz abgesehen.

Persönliche Informationen, und dazu zähle ich ebenfalls die politische Einstellung, sollten doch normalerweise im Dialog ausgetauscht werden.
An dieser Stelle herrscht allerdings kein Dialog, sondern schlichtweg das Aufzwängen von Infos, nach denen nie jemand gefragt hat. Vor allem nicht auf der Autobahn.

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